Oper und Konzerte in Rom




    Der Barbier von Sevilla, Caracalla-Thermen

    Der Barbier von Sevilla, Caracalla-Thermen

    Die Art und Weise, in der Il barbiere di Siviglia zusammengestellt wurde, war ebenso frenetisch wie die Komödie seiner Geschichte. Geschrieben in Eile und schlecht geprobt, war die Uraufführung im Teatro Argentina in Rom am 20. Februar 1816 kaum weniger als eine Katastrophe. Die Tatsache, dass Gioachino Rossinis neue Oper die gleiche Geschichte verwendete wie Giovanni Paisiello es für seinen eigenen Barbier von Sevilla drei Jahrzehnte zuvor getan hatte, war da nicht wirklich förderlich. Anhänger von Paisiello schrien die Darsteller nieder, so dass Rossini davon überzeugt war, einen Misserfolg produziert zu haben.

    Glücklicherweise erholte sich Il barbiere di Siviglia schnell von seinen Unbilden der ersten Nacht. Dennoch würde Rossini wahrscheinlich seinen eigenen Augen nicht trauen, würde er gewahr, dass Il barbiere di Siviglia zwei Jahrhunderte später noch immer zu den am meisten gespielten Opern der Welt gehört. Und nicht nur das: seine Musik, einschließlich seiner Ouvertüre (die kein Originalmusikstück ist, sondern von einer anderen Oper Rossinis, Aureliano in Palmira, entlehnt), Rosinas Arie, Una voce poco fa, und Figaros berühmter Fanfarenanruf, Largo al factotum, wurden allesamt zu Stützpfeilern des Konzertrepertoires.

    Il barbiere di Siviglia ist eine temporeiche, gut gelaunte Posse, die nicht für einen Moment ihre Geschwindigkeit reduziert. Figaro, der Barbier des Titels, entscheidet sich dafür, dem gutmütigen Grafen Almaviva dabei zu helfen, mit der schönen Rosina davon zu rauschen. Doch zunächst müssen sie an ihrem eifersüchtigen Vormund, Doktor Bartolo, und dessen Freund, Rosinas formbarem Musiklehrer Don Basilio, vorbei. Eine Reihe von Verkleidungen, falsch interpretierte Briefe und gefährliche Streiche halten die dramatische Spannung bis zum Ende hoch, bis Bartolo, erschöpft und besiegt, dem jungen Paar seinen Segen für die Verlobung gibt.

    Die historischen Thermen des Caracalla (Terme di Caracalla) in Roma bieten den Veranstaltungsort für diese Produktion von Il barbiere di Siviglia, einem Teil des Sommerprogramms des Teatro dell`Opera di Roma; eine faszinierende Kulisse für, wie viele sagen, die beste komische Opern aller Zeiten.

    Eine der faszinierendsten Szenen in Il barbiere di Siviglia ist Rosinas Gesangsstunde im zweiten Akt, wo Almaviva für den übertölpelten Basilio einspringt. Die Melodien an dieser Stelle stammen nicht von Rossini, dieser Teil der Partitur ist für immer verloren, so dass sich jede Aufführung von Il barbiere di Siviglia dazu veranlasst sieht, sie mit Musik ihrer eigenen Wahl zu ersetzen. Man stellt sich vor, dass Rossini, selbst schließlich auch so etwas wie eine diebische Elster, dieses Vorgehen nicht abgelehnt hätte.




    image Caracalla-Thermen (Terme di Caracalla) / Foto C.M. Falsini